Die neue Wiener Domorgel

Am Ostersonntag 2020 ist es endlich so weit: nach langer Zeit werden von der Westempore des Wiener Stephansdoms wieder mächtige Orgelklänge einen der schönsten Kirchenräume der Welt erfüllen. Die sogenannte Riesenorgel, die seit 25 Jahren nicht mehr spielbar war, wird derzeit durch die Vorarlberger Orgelbaufirma Rieger erneuert und mit der 1991 ebenso von Rieger erbauten Chororgel im vorderen Bereich des Domes verbunden. Beide Instrumente können dann sowohl vom mobilen Zentralspieltisch aus dem Kirchenschiff, als auch vom zweiten Zentralspieltisch von der Empore aus gespielt werden.

 

Was derzeit geschieht

Altes Hindernis

Wer derzeit in den Wiener Stephansdom kommt, kann auf der Westempore einen imposanten gemauerten Bogen bewundern, der wie ein Fremdkörper mitten durch die Empore gebaut ist. Gäbe es diesen Schwibbogen aus dem Mittelalter nicht, wären die beiden Heidentürme der Westfassade längst eingestürzt. 

 

Da im Herbst 2017 die wegen des unter der Empore liegenden "Riesentors" so genannte "Riesenorgel" komplett abgebaut wurde, gibt es die seltene Gelegenheit dieses Anblicks. Doch man sieht zugleich, warum es so dringend nötig ist, das größte Musikinstrument Österreichs von Grund auf zu erneuern: ein Großteil der Pfeifen der 1960 eingeweihten Orgel des Wiener Orgelbauers Johann M. Kauffmann war hinter diesem mächtigen Steinbogen angebracht und so konnte das Instrument den Stephansdom klanglich nie wirklich ausfüllen. 

 

Offene Wunde

Augenzeugen berichteten darüber wie erschütternd es war, als am 11./12. April 1945 nicht mehr nur der Dachstuhl von St. Stephan in Flammen stand, sondern das Feuer über eine Öffnung im Gewölbe auf die alte Riesenorgel von Walcker aus dem Jahr 1886 überging und wie herabstürzende und verbrennende Pfeifen sogar noch Töne von sich gaben. Der Dom wurde wieder aufgebaut und erstrahlt heute in voller Schönheit, doch diese letzte Wunde des katastrophalen Dombrandes soll nun endlich geschlossen werden.

 

In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg wurde die Restaurierung des Stephansdoms zu einem Symbol für den Wiederaufbau des Landes. Und wenn die neue Orgelanlage am Ostersonntag 2020 den Kirchenraum bis in den letzten Winkel mit Klang erfüllen wird, ist dieser schreckliche Brand auf den Tag genau 75 Jahre her.

 

Neues Konzept

Die 10.000 Pfeifen der Riesenorgel befinden sich derzeit in der Werkstatt von Rieger-Orgelbau in Vorarlberg. Sie werden dort adaptiert und in ein neues Konzept integriert, bei dem die wichtigen Register vor dem Bogen stehen werden, ohne dass sich die Orgel äußerlich verändern wird. Und so wird die neue Domorgel zu ihrer Einweihung am Ostersonntag, 12. April 2020 den Stephansdom in unvergleichlicher Weise zum Klingen bringen. 

 

Verbinden

Damit entsteht nicht nur eine nun endlich den Raum ausfüllende Kathedralorgel auf der Westempore, sondern durch Adaptionen an der Rieger-Orgel im südlichen Seitenschiff können dann von zwei Zentralspieltischen beide Orgeln mit insgesamt 180 Registern gemeinsam gespielt werden. Bislang ungeahnte Klangwelten können dann auf der neuen Orgel-Anlage erzeugt werden. Der Raum mit seinen fast 100.000 Kubikmetern Volumen kann von Westen und von Osten zum Klingen gebracht werden. 

 

Kosten

Die Kosten des Projekts liegen bei rund drei Millionen Euro. Wie schon beim Wiederaufbau des Domes nach dem 2. Weltkrieg helfen alle österreichischen Bundesländer und auch die Bundesregierung. Doch eine Million an Privatspenden muss der Dom gemeinsam mit dem Verein „Unser Stephansdom“ aufbringen und hofft wiederum auf die Hilfsbereitschaft der Österreicher.